Zwei Reviews mit GebFra-Preis 2022 ausgezeichnet

Stuttgart/München, Oktober 2022 – Bereits im März 2020 hat ein Team um Dr. med. Florian Stumpfe von der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen verfügbare Daten zu COVID-19-Erkrankungen in der Schwangerschaft gesichtet. Für ihre Einschätzungen, die sie Behandelnden in der Frühphase der Pandemie an die Hand gegeben haben, erhält die Forschungsgruppe den diesjährigen GebFra-Preis. Darüber hinaus zeichnet Thieme gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) Professor Dr. med. Andreas Schneeweiss aus. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland hat der am Universitätsklinikum Heidelberg tätige Mediziner aktuelle Forschungsergebnisse zur Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium zusammengefasst. Die beiden ausgezeichneten Arbeiten gehören zu den am häufigsten zitierten beziehungsweise meist gelesenen Publikationen der Thieme Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ innerhalb der letzten zwei Jahre. Die Preisverleihung erfolgte am 15. Oktober 2022 im Rahmen des 64. Kongresses der DGGG in München.

Im Frühjahr 2020 ist noch unklar, was den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung beeinflusst und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Neben älteren Menschen gelten Schwangere als besonders vulnerabel, denn eine medizinische Behandlung ist im Hinblick auf den Schutz von Mutter und Kind eine besondere Herausforderung. Bereits im März 2020 veröffentlichten Dr. med. Florian Stumpfe und seine Co-Autor*innen die jetzt ausgezeichnete Übersichtsarbeit. Es ist der am häufigsten zitierte Beitrag der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ in den vergangenen beiden Jahren. In der Arbeit wurden die zu Beginn der Pandemie wenigen verfügbaren Publikationen zu Infektionsfällen mit SARS‑CoV‑2 bei Schwangeren ausgewertet und mit Infektionen mit bereits bekannten Coronaviren wie SARS und MERS verglichen. „Wir kamen zu dem Schluss, dass eine durch SARS-CoV-2 verursachte Erkrankung milder verlaufen könnte als bei SARS und MERS. Die vorhandenen Studien zeigten aber auch, dass eine Infektion zu Komplikationen wie zum Beispiel einem vorzeitigen Blasensprung führen kann“, erklärt Dr. Florian Stumpfe, Erstautor und Oberarzt an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Annahmen, dass sich das Kind im Mutterleib oder nach Geburt über die Muttermilch infiziert, konnten die Wissenschaftler*innen anhand der Daten damals verfügbaren Daten nicht bestätigen.

Darüber hinaus erregte die Übersichtsarbeit von Professor Andreas Schneeweiss und Co-Autor*innen unter Lesenden der „Gebfra“ besondere Aufmerksamkeit. Der Experte für gynäkologische Krebserkrankungen hat gemeinsam mit 18 weiteren Wissenschaftler*innen die neuesten Forschungsergebnisse zur Prävention und Behandlung des frühen Mammakarzinoms zusammengefasst. „Große epidemiologische Studien zu genetischen und nicht genetischen Risikofaktoren helfen uns, das Brustkrebsrisiko bei Frauen immer besser einzuschätzen“, erklärt Professor Schneeweiss. Dabei spielten neue Analysemethoden hinsichtlich mehr oder weniger brustkrebsauslösender Gene eine entscheidende Rolle. Zudem kann der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Brustkrebsscreening dabei helfen, Tumoren besser als bisher in einem frühen Stadium zu diagnostizieren. Bei den Behandlungsmöglichkeiten weist das Team unter anderem auf die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel oder radioonkologische Maßnahmen wie die Teilbrustbestrahlung hin: „Eine solche sollte bei Niedrigrisikopatientinnen stärker als bisher in Betracht gezogen werden. Das Risiko für wiederkehrende Tumore ist nicht höher als bei einer Ganzbrustbestrahlung. Nebenwirkungen wie Hautreaktionen treten jedoch viel seltener auf.“

„Die ausgezeichneten Übersichtsarbeiten beschäftigen sich mit sehr unterschiedlichen Themen unseres Fachs und zeigen die Bandbreite der Geburtshilfe und Frauenheilkunde. In ihren Beiträgen haben die Autorinnen und Autoren neueste Forschungsergebnisse aufbereitet, damit ihre Kolleginnen und Kollegen in der Praxis ihre Patientinnen bestmöglich beraten und behandeln können“, erklären Professor Dr. med. Matthias W. Beckmann, leitender Herausgeber der Fachzeitschrift "Geburtshilfe und Frauenheilkunde" und Professor Dr. med. Anton J. Scharl, Präsident DGGG gemeinsam.

F. M. Stumpfe et al.:
SARS-CoV-2 Infection in Pregnancy – a Review of the Current Literature and Possible Impact on Maternal and Neonatal Outcome
SARS‑CoV‑2-Infektion in der Schwangerschaft – eine Übersichtsarbeit über die aktuelle Literatur und mögliche Einflüsse auf das maternale und neonatale Outcome
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2020; S. 80 (4): S. 380-390
DOI: 10.1055/a-1134-5951

A. Schneeweiss et al.:
Update Breast Cancer 2020 Part 1 – Early Breast Cancer:
Consolidation of Knowledge About Known Therapies

Update Mammakarzinom 2020 Teil 1 – frühes Mammakarzinom:
Konsolidierung des Wissens über bekannte Therapien
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2020; 80 (3): S. 277-287
DOI: 10.1055/a-1111-2431


Über den Preis

Die Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“, kurz „GebFra“, ist das offizielle Organ der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Mit dem gleichnamigen Preis zeichnet die Thieme Gruppe gemeinsam mit der Fachgesellschaft herausragende Original- und Übersichtsarbeiten oder Leitlinien in der Gynäkologie und Geburtshilfe aus, die innerhalb der letzten beiden Jahre in der Fachzeitschrift veröffentlicht wurden. Die von der Thieme Gruppe gestiftete Auszeichnung ist mit insgesamt 5000 Euro dotiert. Sie wird alle zwei Jahre im Rahmen der Fachtagung der DGGG verliehen.

Catrin Hölbling

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